Wirtschaften ohne Geld? Zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und Schenkökonomie.

Kommentar zum Thema der Jahrestagung 2013 von Eva Lang, Vorstand der VÖÖ

Wirtschaften ohne Geld findet in großem Umfang statt, in den privaten Haushalten oder zivilgesellschaftlichen Organisationen wie Vereinen, Nachbarschaftshilfen oder Selbsthilfegruppen. Um die Frage, ob ein Wirtschaften ohne Geld möglich ist, kann es also nicht gehen. Das gemeinhin vermittelte Bild, dass sich das Wirtschaften nur im Markt abspielt, greift aber auch zu kurz.

Wesentlich ist es daher, im Vorfeld der Analyse das Ganze der Wirtschaft in den Blick zu nehmen: Marktwirtschaftliche Formen des Wirtschaftens sind geprägt durch das Tauschmedium Geld, das eine Rationalisierung der Tauschprozesse ermöglicht und das Kreditwesen, durch das Investitionen vorfinanziert werden können. Die Schenkökonomie lässt sich durch ein Geben, eine Leistung charakterisieren, die nicht mit der Erwartung einer konkreten Gegenleistung verbunden ist. Zwischen diesen beiden Polen finden sich vielfältige andere Formen des Wirtschaftens: die Staatswirtschaft, die Sozialwirtschaft, die zivilgesellschaftliche Wirtschaft mit ihren gemeinnützigen Organisationen, Vereinen, Tauschringen oder Selbstversorgungsgenossenschaften und schließlich die privaten Haushalte, deren Rolle in der Care-Ökonomie oder im Bildungs- und Erziehungsbereich nicht zu unterschätzen ist. Alle diese Teilökonomien haben ihre eigenen Aufgaben und sie funktionieren nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. Sie sind untereinander in einem komplementären Beziehungsgeflecht verbunden, d.h. sie bedingen sich gegenseitig. Das Ganze der Wirtschaft ist eben ein Organismus, der im Zusammenwirken seiner Teilökonomien mehr oder minder gut funktioniert.

Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass die Fragestellung der Tagung sowohl über die Kritik der kapitalistischen Marktwirtschaft als auch über die Identifizierung von entmonetarisierten Bedarfsfeldern oder Güterkategorien hinausgehen und sich auch auf intelligente Lösungsansätze für das Zusammenwirken der Teilökonomien fokussieren sollte. Das Design für den Rahmen, in dem sich beispielsweise ein Marktsystem entfalten kann (politische Rahmenbedingungen, Gemeingüter und die Eigentumsfrage) steht dann ebenso zur Debatte wie die Aufgabenverteilung von Sorgeleistungen zwischen Staat, Sozialwirtschaft, Zivilgesellschaft und privaten Haushalten. Fragestellungen wie beispielsweise „wie viel kommerzielle Arbeit ist erforderlich?“ gehen dann im Entwurf einer Tätigkeitsgesellschaft auf.