Wirtschaften ohne Geld? Zwischen kapitalistischer Marktwirtschaft und Schenkökonomie.

Kommentar zum Thema der Jahrestagung 2013 von Benjamin Best, Vorstand der VÖÖ

Wieso denkt die VÖÖ über „Wirtschaften ohne Geld“ nach? Heute hängen in der deutschen Noch-Wohlstandsgesellschaft fast alle Facetten menschlicher Existenz von Märkten einerseits und staatlichen Transferzahlungen andererseits ab. Von der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern über gesellschaftliche Teilhabe bis zur seelischen Gesundheit und sogar Liebe gibt es kaum noch ein Ding, das nicht „kommodifiziert“, also zur Ware geworden ist. Kommodifizierung heißt: ursprünglich natürlich verfügbare Dinge werden durch wirtschaftliches Kalkül künstlich verknappt und so für den Kunden in käuflichen Überfluss aufgelöst. Bei universaler Kommodifizierung werden Menschen auf die reduzierten Rollen als Konsumenten und Arbeitnehmer zurückgeworfen. Die Frage ist für mich: Wie können Menschen diese eindimensionale Fixierung auf ihre Kauf- und Arbeitskraft überwinden? Allein ist das nicht zu leisten. Gesellschaftlich muss sich etwas Neues und Anderes produktiv von den gegebenen Bedingungen ablösen und danach eine gewisse Eigenständigkeit und Solidität erlangen. Das geht nur durch „Ent-Kommerzialisierung“ (Wolfgang Sachs), also indem Dinge bewusst dem Zugriff des Marktes entzogen werden. Ich verstehe Dinge dabei nach Bruno Latour als „Things“ bzw. „Tings“, also so wie die Versammlungen unserer germanischen Vorfahren. In gemeinschaftlichen Verhandlungen muss das Verhältnis von Menschen, Natur und Technik neu austariert werden, ohne dass vermeintlich objektive Marktmechanismen das Geschehen dominieren. Lasst uns daher darüber sprechen, wie wir solche Dinge – die auch als „commons“ bezeichnet werden – fördern und unterstützen können.