Einladung zum VÖÖ-Palaver „Wirtschaften im Anthropozän – Grenzen und Möglichkeiten nachhaltigen Handelns“ am 27.03.2020

Die Vereinigung für Ökologische Ökonomie und der Zukunftssalon des oekom-Vereins laden ein zum ersten VÖÖ-Palaver zum Thema „Wirtschaften im Anthropozän – Grenzen und Möglichkeiten nachhaltigen Handelns“. Das Palaver bietet allen Teilnehmer*innen die Möglichkeit, auf Grundlage exzellenter fachlicher Impulse in offenen Runden miteinander zu diskutieren, Fragen und Anregungen auszutauschen oder auch einfach spannenden Diskussionen zu lauschen und dabei Neues zu entdecken.

Wann?         27.03.2020 | 18:00-20:00 Uhr mit anschließender Geselligkeit

Wo?            Münchner Zukunftssalon, Waltherstr. 29 Rgb., 80337 München

Mit dem Anthropozän wird die Epoche der Erdgeschichte bezeichnet, in der die Menschheit zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf unserem Planeten gewor­den ist. Ursprünglich von Paul Crutzen und Eugene Stroemer als Begriff für die Geowissenschaften ins Spiel gebracht, finden sich in der Zwischenzeit Diskussionen zum Anthropozän auch in den Sozial- und Wirtschaftswissen­schaf­ten.

Aus der Perspektive einer Ökologischen Ökonomie sollen an diesem Abend denn auch gesellschaftliche Fragestellungen diskutiert werden, die sich aus dem Begriff des Anthropozän und seiner realen physischen Konsequenzen ergeben. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, dass ein Wirtschaften im Anthropozän sich von naiven Wachstumsvorstellungen lösen und die Frage der Lebensdienlichkeit – von Produkten, Prozessen, Organisationsformen und Institutionen – in den Vordergrund rücken muss.

Zum Einstieg in unser Palaver wird es zwei Impulse von namhaften For­schen­den im Bereich der Ökologischen Ökonomie in Deutschland geben: zum einen von Daniel Dahm, der mit seinem Konzept der „Sustainability Zeroline“ einer lebensverzehrenden Wirtschaft eine Absage erteilt und ihr eine „Anthro­po­sphäre“ gegenüberstellt; zum anderen von André Reichel, der sich polit-ökonomisch und wachstumskritisch mit dem Anthropozän auseinandersetzt und für eine „Anthropolitik“ argumentiert.

Im direkten Anschluss an die Veranstaltung gibt es die Gelegenheit, sich bei lebensdienlichem Brot und Wein weiter auszutauschen.

Wir bitten um Anmeldung zu dieser Veranstaltung an:

anmeldung@oekom-verein.de

Die Referenten:

Daniel Dahm widmet sich seit den 1990er Jahren der (Re)Generation und Stärkung der materiellen und immateriellen Lebensgrundlagen der Menschheit. Insbesondere die  öko­lo­gischen und ökonomischen Wechselwirkungen zwischen Biogeosphäre und Anthropo­sphäre und ihre Realisierungen in Politik, Gesellschaft und (Finanz-)Wirtschaft stehen im Zentrum seiner Arbeit. Er engagiert sich in vielfältigen internationalen Kontexten politisch und wissenschaftlich für eine nachhaltigere Zukunft, war u.a. Vize-Direktor und Forschungsleiter des European Centre for Sustainability Research ECS der Zeppelin Universität, Senior Fellow am renommierten Institute for Advanced Sustainabi­lity Studies IASS, Research Fellow for Science in Innovation der Darwin Initiative am berühmten Natural History Museum in London, Wissenschaftler am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, sowie Forschungsleiter am Institut für Haushalts- und Konsum­öko­no­mik der Universität Hohenheim. Als (Co-)Gründer verschiedener Unternehmen, zivilgesellschaftlicher Organisationen und Stiftungen brachte er seit den 2000er Jahren diverse Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Stiftungen auf den Weg.

André Reichel ist Professor für International Management & Sustainability an der International School of Management (ISM). Er ist Diplom-Kaufmann und hat an der Universität Stuttgart in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften promoviert. Vor seiner Tätigkeit an der ISM war er Professor der Karlshochschule International University, Research Fellow an der Zeppelin Universität und Gastdozent am Environmental Change Institute der University of Oxford. Er ist zudem ehrenamtlicher Vorstand der elobau-Stiftung in Leutkirch im Allgäu und Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschafts­för­derung Region Stuttgart (WRS GmbH). Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich einer nachhaltigen Entwicklung in Wirtschaft und Gesellschaft, den betriebs­wirt­schaftlichen Implikationen einer Postwachstumsökonomie, der Verschmelzung  von Nachhaltigkeit und Digi­tali­sie­rung sowie einer systemtheoretischen Betrachtung gesellschaftlicher Transformationsprozesse.

Ausschreibung des Kapp-Forschungspreises 2020

Der Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie richtet sich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im deutschsprachigen Raum und soll Studien zur Ökologischen Ökonomie fördern. Für die Ausschreibung 2020 lautet die übergeordnete Themenstellung:

„Ökologische und soziale Kosten des Wirtschaftens – und ihre Vermeidung“

Die Ausschreibung bezieht sich damit auf zentrale Forschungsfragen von K. William Kapp (1901-1976), einer der Gründerfiguren einer sozialökologisch ausgerichteten Ökonomie. Im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung und der zunehmenden Auslagerung von Kosten und Folgewirkungen des Wirtschaftens auf Natur, Gesellschaft und zukünftige Generationen hat die obige Problemstellung an Bedeutung gewonnen.

Von Interesse sind wissenschaftliche Beiträge, die sich nicht nur mit Umfang und Ursachen sozialer und ökologischer Kosten beschäftigen, sondern Lösungsansätze für ökologisch wie sozial verträgliche und in diesem Sinne zukunftsfähige Wirtschafts- und Lebensweisen entwickeln.

Berücksichtigt werden folgende Kategorien von Arbeiten:

  1. Dissertationen und Habilitationsschriften.
  2. Diplom- und Masterarbeiten (keine Bachelorarbeiten).

Die Veränderungen, die für eine ökologische Ökonomie erforderlich sind, können kaum aus einer rein wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive allein begründet werden; deshalb sind inter- und transdisziplinär angelegte Arbeiten (in deutscher oder englischer Sprache) bei diesem Thema besonders naheliegend.

Das Preisgeld wird auf maximal zwei Preisträger/innen verteilt und beträgt insgesamt

5.000 Euro

Interessierte erhalten die Bewerbungsunterlagen über die Geschäftsstelle des Kapp-Forschungspreises (Adresse siehe unten). Die Bewerbungsfrist endet mit dem

1. März 2020

Die Preisträger werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Der Kapp-Forschungspreis wird gemeinsam ausgeschrieben von:
der Vereinigung für Ökologische Ökonomie (VÖÖ) e.V., der Hatzfeldt-Stiftung, der Kapp-Stiftung, der Selbach-Umwelt-Stiftung sowie der anstiftung

Anforderung der Bewerbungsunterlagen
Dr. Manuel Schneider, Projektbüro ! make sense !
Waltherstr. 29, D-80337 München
info@make-sense.org

Die Ausschreibung als pdf finden Sie hier

Neue Blicke ins Archiv der VÖÖ

Zwischen 1999 und 2006 wurden Tagungsdokumentationen der VÖÖ in der Reihe »Beiträge und Berichte« veröffentlicht. Diese sind nun vollständig online verfügbar, insbesondere sind folgende zwei Dokumente neu hinzugekommen:

Christiane Busch-Lüty: »Natur und Ökonomie aus der Sicht der Ökologischen Ökonomie: Eine subjektive Spurensuche« (Nr. 2, 2000, PDF 21.3 MB).

Günter Strassert, Wilfried Wittenberg (Hrsg.): »Ökologie und Ökonomie – eine vernetzte Welt. Auf dem Weg zu einem integrativen Ansatz« (Nr. 3, 2001, PDF 36 MB).

Wir wünschen viel Vergnügen bei der (erneuten) Lektüre!

Zwei neue Artikel der Arbeitsgruppe Wachstumszwang

Die Arbeitsgruppe Wachstumszwang hat zwei neue Paper veröffentlicht:

Das Paper »Growth imperatives: Substantiating a contested concept« (in: Structural Change and Economic Dynamics, 2019; Discussion Paper) strukturiert die Debatte um Wachstumszwänge und -treiber anhand der Akteure sowie der Stärke des „Zwangs“ von freiem Willen hin zu sozialen Zwängen. Dazu liefern sie eine ausführlich begründete Definition des Begriffes „Wachstumszwang“, der bislang nur auf der Makroebene oder ansonsten eher umgangssprachlich definiert ist. Im Anschluss untersuchen  sie verschiedene in der Literatur aufgestellte Hypothesen, warum Haushalte, Firmen und Staaten einem Wachstumszwang unterliegen und gehen dafür durch die „klassischen“ und neuen Theorien, warum die Ökonomie einem Wachstumszwang unterliege: Wettbewerb und Gewinnorientierung, Technischer Fortschritt, staatliche Wachstumspolitik und sozio-kulturelle Mechanismen. Unser Ergebnis ist eindeutig: Nur der sogenannte Technische Fortschritt, der recht einseitig menschliche Arbeit durch maschinellen Ressourcenverbrauch ersetzt, hat das Potential, eine auf Marktwirtschaft basierende Gesellschaft „in den Wahnsinn zu treiben“. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnten institutionelle Verbrauchsbegrenzungen (Cap & Trade) und die Begrenzung von Akkumulation sein.

Im Artikel »An offer you can’t refuse – Enhancing personal productivity through ‘efficiency consumption’« (Technology in Society 59, 101181. Diskussionspapiere deutsch 2017 und englisch 2019) diskutiert Andreas Siemoneit die These, dass Unternehmen und Konsumenten beide zahlreiche Güter kaufen, die sie effizienter machen. Dies erzeugt positive Rückkopplungen, die man als Wachstumszwang interpretieren kann. Für Unternehmen wird Effizienzsteigerung seit langem als Investitionsmotiv akzeptiert, aber weder Mikroökonomik noch Konsumsoziologie diskutieren sie auch nur als Konsummotiv.

Diese Artikel sind die Grundlage der politischen Vorschläge, die im Buch »Marktwirtschaft reparieren« ausgeführt werden.