Die Ziele der VÖÖ

Postwachstumsökonomie und Nachhaltige Entwicklung

Kein Begriff ist mit der ökologischen Ökonomik so eng verbunden wie der der Nachhaltigkeit. Früher ein Fachbegriff der Land- und Forstwirtschaft, ist er im Zuge der Debatten um „sustainable development“ zu einem heute nahezu überall verwendeten und dabei auch zerredeten Schlagwort geworden. Leider sind dabei wichtige Merkmale echter Nachhaltigkeit vor allem in der politischen Rede verloren gegangen, so dass heute alle Parteien damit werben, „für Nachhaltigkeit“ zu sein. Aber auch in der Ökonomik unterscheidet der Begriff leider nicht mehr zuverlässig zwischen denjenigen, die die vollen Konsequenzen des nötigen Verhaltenswandels wahrnehmen und denjenigen, die nur eine „Nachhaltigkeit light“ meinen.

In voller Konsequenz muss eine Nachhaltigkeitswirtschaft auch eine Postwachstumswirt-schaft sein. Aus Sicht der VÖÖ ist keiner der vielen Versuche, Wachstum in irgendeiner Form mit Nachhaltigkeit zu verbinden, überzeugend. Die Rede von „nachhaltigem Wachstum“ verschleiert den Gegensatz von Wachstum und Nachhaltiger Entwicklung. Dies grenzt uns von nicht wenigen anderen Positionen und Vereinigungen ab, die in diesem Punkt weniger radikal denken. Man kann natürlich begrenzt miteinander kooperieren, zumal die gesellschaftlich-politische Realität von der klaren Position der VÖÖ weit entfernt ist. Aber die grundsätzlichen Differenzen werden hierbei nicht ausgeräumt.

Systemische und mediale Vernetzung

Oft sind es die komplexen Vernetzungen, die uns in der Ökologischen Ökonomie am meisten beschäftigen müssen. Gerade im Reformraum der Begegnung von Wissenschaft und Wirtschaft sind informationelle und kommunikative Netzwerke sehr wichtig, um die Komplexität und Knotenpunkte der Konzepte und Probleme zu verstehen. Dabei spielen heute auch die verschiedensten Medien eine die Sachlage zusätzlich verwickelter machende Rolle. Je weitläufiger solche Informationsnetzwerke sind, desto schwieriger wird es, sie zu durchschauen und klar zu überblicken.

Die VÖÖ versucht, diese Tatsache anders als viele, die sie vorschnell zu sehr vereinfachen, nicht zu verdrängen. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass bei der Reform unserer Wirtschafts- und Lebenskultur nicht nur Wissenschaftler aller Couleur mitreden dürfen und müssen, sondern auch außerwissenschaftliche Expertise aus allen Lebensbereichen dringend benötigt wird. Keinesfalls sind die ökologische Ökonomik und die Präzisierung und Herbeiführung der Postwachstumsökonomie eine Sache von Ökonomen allein.

Die Vernetzung der verschiedenen sozialen und kulturellen Systeme, die heute sehr weitgehend über Medien geschieht und gefiltert wird, ist eine Erschwernis und eine Chance. Sie erschwert das Finden einer schnellen Lösung, aber sie ermöglicht das Einbringen kreativer Perspektiven von außen. Deshalb gibt die VÖÖ gern denjenigen Raum, die mit neuartigen und nichtkonventionellen Beiträgen hierzu die nötigen Debatten bereichern können.