Die Grundlagen unserer Philosophie

Die Ökologische Ökonomie geht von einem integrativen Verständnis von natürlicher und kultureller Entwicklung aus. Im Unterschied zu den vorherrschenden Lehren der Neoklassik, aber auch anderer konventioneller ökonomischer Richtungen wird dabei Wirtschaft nicht als unabhängig von der Natur verstanden, sondern bleibt auf deren möglichst wenig gestörten Fortbestand und ihre Vitalität angewiesen. Nur in diesem Rahmen kann sie für die soziokulturelle Sphäre eine fruchtbare, dem Leben auf der Erde dienende Funktion erlangen.

Ökologische Ökonomen erforschen und entwickeln daher Konzepte und Handlungsansätze für natur- und sozialverträgliche Wirtschafts- und Lebensweisen, die eine Koevolution von Wirtschaft und Gesellschaft im Einklang mit den naturgesetzlichen Rahmenbedingungen ermöglichen sollen. Die gegenwärtig herrschenden Wirtschaftsweisen sind damit zu großen Teilen unvereinbar. Ein solcher Ansatz führt zwangsläufig zu einer radikal wachstumskritischen Position. Die Propagierung des wirtschaftlichen Wachstums als Hauptziel einer gut funktionierenden Wirtschaft wird unhaltbar. Sie wird zu einer Falle, in der wir uns immer mehr verfangen und der wir nur entkommen, wenn wir das Wachstumsdogma nicht nur abschwächen und mildern, sondern aufgeben. Daher muss mit allen rationalen und demokratischen Mitteln ein Ausweg aus der Sackgasse der heutigen Wachstumswirtschaft gesucht und entschieden angestrebt werden. Dies ist die Zielsetzung der VÖÖ.

Im Unterschied zu vielen, die heute von Nachhaltigkeit reden, ohne diesen Begriff in seiner vollen Bedeutung zu verstehen, erfordert eine wirklich nachhaltige Entwicklung also nicht eine Umdefinition von Wachstum, sondern die Abkehr vom Wachstumsziel. Dies bedeutet, dass wir einen tiefgreifenden Wandel unserer politischen und ökonomischen Kultur benötigen, der viele Lebensbereiche, Denkweisen, Handlungsfelder und Überzeugungen mitumfassen muss. Ohne selbstorganisierende Verständigungsprozesse in Kooperation mit allen Betroffenen und Mitwirkenden ist dies, allein durch Forschung und Lehre, nicht zu bewältigen. Was dies bedeutet, können wir im Grundsatz durch eine sorgfältige Beobachtung der Natur und ihrer evolutionär gewachsenen Systeme lernen.

In der Natur gibt es Konkurrenz, Dominanz und Verdrängung, aber langfristig überlebensfähig sind eher arbeitsteilige, Vielfalt und Verschiedenheit tolerierende symbiotische Gemeinschaften. Deshalb müssen in einer zukunftsfähigen menschlichen Wirtschaft und Gesellschaft Prinzipien der Subsidiarität, der Kooperation und Partizipation eine wichtigere Rolle spielen als heute, ebenso auch ein neues Rollenverständnis des Staates. Dies ist nicht zu leisten ohne zunehmende Entfaltung und Förderung der bislang ungenutzten Kreativitätspotentiale der Gesellschaft, wobei der entschiedenen Förderung einer offenen, frei sich entfaltenden Bildung und Wissenschaft eine wichtige Rolle zukommt.

Die Ökologische Ökonomie ist notwendigerweise transdisziplinär angelegt. Dies bedeutet mehr als Interdisziplinarität, nämlich die Akzeptanz der Tatsache, dass auch Wissenschaft zur Praxis des sie umgebenden Lebens offen sein muss. Den notwendigen neuen Blick auf die Sachen erhalten wir immer von außen. Deshalb entwickeln Ökologische Ökonomen nicht nur zukunftsfähige und möglichst ganzheitlich ansetzende Konzepte der Ökonomie, sondern versuchen auch, zu einem stärker verantwortungsgeleiteten und lebensoffenen, kritischen Selbstverständnis von Wissenschaft beizutragen

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