Wir trauern um Gerhard Scherhorn.
Er hat die VÖÖ von der Gründungsversammlung in Heidelberg 1996 bis zum Ende seiner Kräfte mit wegweisenden thematischen Impulsen, mit Um- und Einsicht und seinem Weitblick maßgeblich geprägt. Mit Gerhard Scherhorn ist ein von Anbeginn engagiertes Gründungsmitglied und ein Vordenker in zentralen Fragen der Ökologischen Ökonomik von uns gegangen.
So hat er die Heidelberger Tagung der VÖÖ zum Thema „Arbeiten in einer nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft“ im Jahre 1997 federführend mit gestaltet. In seinem Vortrag denkt er über eine „Revision der überkommenen Vorstellungen von Arbeit“ nach. In einem neugefassten Beitrag für den Sammelband zum 10-jährigen Bestehen der VÖÖ mit dem Thema „Wiedervorlage dringend: Ansätze für eine Ökonomie der Nachhaltigkeit“ entwickelt er diesen Ansatz unter dem Titel „Das Ganze der Arbeit“ weiter. Seinen Beitrag resümiert er mit „So sind beide, die Aufwertung der Lebensarbeit und die nachhaltige Entwicklung, davon abhängig, dass die Ursachen für die Zunahme der Einkommensungleichheit beseitigt werden“ – ein ohne Zweifel auch heute noch besonders wichtiges Thema.
Auch die Tagung 1998 „Theorie und Praxis des kollektiven Handelns: Das Beispiel der Lokalen Agenda 21“ hat Gerhard Scherhorn zusammen mit Helge Majer inhaltlich stark beeinflusst. „Sie als Erfahrungs- und Erkenntnisfundus für die Praxis und Theorie des kollektiven Handelns bei der Herstellung und Erhaltung von ‚Gemeinschaftsgütern‘ zu thematisieren, war das besondere Anliegen und der Vorschlag von Gerhard Scherhorn“, so schreibt Christiane Busch-Lüty in der Einführung zur 2. Arbeitstagung der VÖÖ mit dem Thema:“Ökologische Ökonomie und Lokale Agenda 21“.
In seinem Beitrag „Das Ganze der Güter“ in dem Sammelband von K.M. Meyer-Abich mit dem Titel „Vom Baum der Erkenntnis zum Baum des Lebens. Ganzheitliches Denken der Natur in Wissenschaft und Wirtschaft“ diskutiert er bereits 1997 wesentliche Fundamente für die sich entwickelnde Suffizienzdebatte, die in der VÖÖ auf verschiedenen Tagungen thematisiert wurde.
Trotz der begrenzten Zeit durch sein zunehmendes Engagement u.a. im Wuppertal Institut blieb Gerhard Scherhorn der VÖÖ immer verbunden. Mit seinem stets leisen und eleganten, aber sehr präzisen Engagement als Mitglied im erweiterten Vorstand gab er uns wesentliche thematische Impulse. Mit Gerhard Scherhorn verlieren wird einen unserer wichtigsten Vordenker. Er hat die VÖÖ, unsere Arbeit und unsere Diskussionen mit seiner wissenschaftlichen Neugier und seinem Engagement für eine zukunftsfähige Gesellschaft immer wieder vorangebracht. Er wird uns menschlich und fachlich immer ein Vorbild bleiben.

em. Prof. Dr. Eva Lang,  im Namen des Vorstands der VÖÖ

 

Hinweis:

Dass Gerhard Scherhorn noch in hohem Alter ein Vordenker auch der Neuorientierung der VÖÖ auf das Ziel einer Wirtschaft ohne Wachstum war, drückt sich in diesem Text über die „Wachstumsfalle“ aus, den er aus Anlass eines Symposiums zu seinem 80. Geburtstag verfasste.

In der Onlinebibliothek des Wuppertal Instituts, dem Gerhard Scherhorn über viele Jahre angehörte, finden sich zahlreiche weitere Publikationen: Anregungen, Visionen und scharfsinnige Überlegungen, die ein Vermächtnis darstellen, dem sich die VÖÖ verpflichtet fühlt.

 

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