Unter dem Motto „Oktober ist doch Wiesn-Zeit – Fairness als Modetrend“ war am Umwelt-Campus Birkenfeld am Donnerstag, den 19.10.2017 Staatsministerin a.D. Eveline Lemke bei den Vorsitzenden der VÖÖ e.V. zu Gast. Der Gastvortrag fand im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktthemas „ Transformative Textilketten aus ökonomischer, ökologischer und sozialen Perspektive“ statt. Die Studierenden der Hochschule Trier ebenso wie weitere interessierte Zuhörer aus der Region konnten sich im aktiven Austausch mit der Referentin dem Thema nähern. Ein aktiver Einstieg in die dauerhaftaktuelle Thematik der Modewirtschaft gelang Eveline Lemke durch eine Reflektion des eigenen Konsumverhaltens mit den Zuhöhrern, der Frage nach dem Bewusstsein für Kleidung und Preise und der Relevanz einer Ver-einbarkeit von Ökologie und Mode. Dabei waren die Studierenden des Umwelt-Campus be-sonders gefragt und reflektierten eigene Erfahrungen und Trendfragen der Ökologie im Ple-num.
Was der erhebliche Konsum an Textilien und die enorm sinkenden Preise auf Textilmarkt für die Textilwirtschaft bedeuten, veranschaulichte Eveline Lemke durch einen Rückblick auf vergangene medienwirksame Skandale wie den Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013, bei welchem über tausend Menschen ums Leben kamen. Unter der Überschrift „Made in Hell“ stellte die ehemalige Stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz die verheerenden Arbeits- und Sozialstandards in den Produktionsländern dar sowie die allgemeine Problematik der Rückverfolgung innerhalb der Wertschöpfungskette. Die große Unsicherheit bei Endkonsumenten spiegelt sich durch eine Vielzahl an Labels wie-der, welche auch bei den Zuhörern zu Verunsicherungen in der Glaubwürdigkeit führten. Zur Sensibilisierung des Auditoriums hinsichtlich des eigenen Konsums stellte Eveline Lemke ein Online-Tool vor, welches Textilien während eines online Einkaufs auf ökologische Vertret-barkeit prüft und unter dem Namen „Rank a Brand“ für jeden zugänglich ist.
Was ist das Problem an der Herstellung schwarzer Jeanshosen und warum stellt die Lederver-arbeitung für Jacken und Schuhe eine hohe ökologische Belastung dar? Die große Problematik des Massenkonsums und des unüberlegten Einkaufs regte zu Diskussionen im Plenum an, ob und wie fairer und nachhaltiger konsumiert werden kann. Unter dem Leitgedanken, dass Stoffströme auf eine neue Weise geschlossen werden müssen, stellte Eveline Lemke neue Wege von Modedesignern vor, wie die Kampagne der Designerin Stella McCartney, welche auf umweltschädliche Baumwollfasern verzichtet und Kunststoffe einsetzt.Auch wurde die Thematik Recycling angesprochen, die im Textilbereich besonders unübersichtlich erscheint.
Analogien entstanden zu Entsorgungsvorgängen und dem Recycling von Elektronikartikeln, zu welchen Eveline Lemke aus ihrer Berufspraxis anschaulich berichten konnte. Sie eröffnete den Zuhörern einen neuen Blick auf rechtliche Bestimmungen, Hindernisse und Herausforde-rungen, die im Zusammenhang mit einer faireren und ökologischeren Textilkette noch zu be-wältigen sind. Eine Motivation und Sensibilisierung bei der Zuhörerschaft zu entwickeln, lag der Vortragenden Eveline Lemke besonders am Herzen und so ging Sie auch am Ende des Vortrags in eine angeregte Diskussion mit einigen Studierenden über, in welcher die politi-schen Verhältnisse und die Macht der Konsumenten besonders thematisiert wurden.
Nach dem anderthalb-stündigen Vortrag bedankten sich Prof. Susanne Hartard und Prof. Dirk Löhr als Vorsitzende der der Vereinigung für Ökologische Ökonomie mit einem veganen Lebkuchen und VÖÖ Logo Beschriftung bei der Vortragenden für diesen wirklich spannenden Vortrag. Die Studierenden hatten Gelegenheit, innerhalb von anschließendenFilmworkshops die Thematik weiter zu vertiefen.

 

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