Aus der Arbeitsgruppe Wachstumszwang sind zwei weitere Diskussionspapiere nun zugänglich.

Andreas Siemoneit diskutiert im VÖÖ-Diskussionspapier 3 mit dem Titel „Effizienzkonsum – Produktivitätssteigerung als Beschreibungsrahmen bestimmter Konsum-Entscheidungen“ die These, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch Konsumenten Güter erwerben, die sie effizienter machen. Dies könne zu einem sozialen Imperativ werden, den man als Wachstumszwang auf der Konsumentseite interpretieren kann. Dabei diskutiert er zugleich, warum diese Phänomene in einer „Disziplinenlücke“ zwischen Mikroökonomik und Konsumsoziologie kaum wahrgenommen wurden.

Eine tiefere Auseinandersetzung mit sozio-kulturellen Wachstumszwängen liefert das englischsprachige VÖÖ Discussion Paper 4 mit dem Titel „How imperative are the Joneses? Economic Growth between Individual Desire and Social Coercion“. Es legt dar, welche Bedingungen eine Theorie eines gesellschaftlichen Zwangs erfüllen muss, und präsentiert eine (relativ restriktive) Definition eines Wachstumszwangs: äußere Bedingungen, die für Akteure notwendig machen, ihre ökonomischen Anstrengungen zu erhöhen, um existentielle Konsequenzen zu vermeiden. Letztere werden als unakzeptable Schwierigkeiten, ein kostendeckendes Einkommen zu erzielen, oder die Gefahr sozialer Exklusion präzisiert. Aus einer Diskussion der Literatur sozio-kultureller Theorien wird abgeleitet, dass „sozio-kulturelle Zwänge“ entweder keinen gesellschaftlichen Zwang nach obiger Definition darstellen, oder auf „ökonomische“ oder „technische“ Phänomene verweisen. Daher schließen die Autoren, dass ein Wachstumszwang primär in den ökonomischen Möglichkeiten, ein Einkommen zu erzielen, zu suchen ist.

Die Theorien eines Wachstumszwangs werden auch beim Workshop am 4. und 5. Februar an der Universität Witten/Herdecke diskutiert.

 

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